Schmutziger Irrtum

Prof. Dr.-Ing. Helmut Alt Aachen, den 09.12.2014

Mail vom 9.12.2014: zu „Die Zeit“ vom 4.12.2014: „Schmutziger Irrtum“ Sehr geehrter Herr Frank Drieschner, sehr geehrter Herr Dr. Graichen, vielen Dank für Ihre sehr zielsichere Einschätzung der gesetzten Ziele des politischen Projektes der "Energiewende" in: „Die Zeit“ von Herrn Drieschner über die späte Einsicht von Herrn Dr. Graichen: “Wir haben uns geirrt bei der Energiewende“.

Aber bei dem Agora team habe ich vergeblich auch nur einen einzigen gesucht, der über Jahr-zehnte Verantwortung für das beste und sicherste Energieversorgungssystem auf dieser Welt zu durchaus wettbewerbsfähigen Strompreisen in der konkreten Praxis nachweisen kann: "Agora Energiewende – das sind insbesondere die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Ar-beitsstabs in Berlin. Als Fachleute für Energiepolitik bringen die Mitglieder des Arbeitsstabs Erfahrungen aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung mit. Sie analysieren die energiepolitische Debatte und steuern die wissenschaftliche Arbeit von Agora Energiewende. Außerdem sorgen sie für eine optimale Vorbereitung der Diskussionen im Rat der Agora."? Dass ein solches Team sich irrt, war wohl zu erwarten! Katastrophal für unser Land ist es jedoch, wenn sich unsere Bundesregierung dort Rat holt und glaubt, ein Energiesystem auf Basis von jährlich mehr als 20 Milliarden Euro Subvention zu Las-ten aller Stromverbraucher in Deutschland im europäischen Wettbewerbsmarkt anstreben zu sollen. Siehe hierzu Kommentar von Wolfram Weimer im Handelsblatt vom 5.12.2014 und Anlagen. Von Weimer Handelsblatt WHAT'S RIGHT? Und wer liefert künftig Strom? 05.12.2014, 11:21 Uhr Der Rückzug von Eon aus der Energieerzeugung ist ein Fanal. Die Politik hat ihre planwirtschaft-liche Energiewende rundherum vermasselt. Dabei geht es um mehr als nur um Kosten für AKW-Abrisse. Die Arbeit der Großen Koalition ist finanzpolitisch vorbildlich, außenpolitisch konziliant, sozialpoli-tisch prassend, wettbewerbspolitisch inexistent, aber energiepolitisch ist sie katastrophal. Die deutsche Energiewende droht zum Desaster dieser Legislaturperiode zu werden, und die Ankün-digung des Energiekonzerns Eon, sich aus der klassischen Energieerzeugung komplett zu ver-abschieden, ist dafür ein Fanal. Denn während naive Ökostrom-Missionare noch jubeln, dämmert der Politik, dass großes Ungemach auf Deutschland zukommt. Bislang denken Gabriel & Co. freilich bloß an die Kosten für den Abriss von Atomkraftwerken. Doch das eigentliche Problem hinter der Entscheidung ist viel größer. Es geht um Deutschlands Energieversorgung. In Wahrheit ist der Rückzug Eons eine Kapitulation. Die Energieversorger geben vor den Ir-rungen und Zumutungen der deutschen Energiepolitik verzweifelt auf, weil ihnen die Politik die Räume so eng gemacht hat, dass sie darin ersticken. In der politischen Klasse herrschte zu lan-ge der Eindruck, man könne Eon und RWE einfach ausquetschen wie Zitronen - nun bekommt man eine Ahnung, dass einfach kein Saft mehr da ist. Beide Konzerne haben jeweils mehr als 30 Milliarden Euro Schulden, beide haben gewaltige Investitionen schultern müssen, um in Deutsch-land eine stabile Energieversorgung zu gewährleisten. Beiden wurden über Nacht Atomkraftwer-ke abgeschaltet, Gaskraftwerke unrentabel gemacht und Sondersteuern aufgebürdet. Ihnen wird die Chance, die Investitionen auch zurück zu verdienen, einfach aus der Hand geschlagen. Damit gefährdet die Politik eine langfristig planbare und wirtschaftliche Energieversorgung - die Basis wirtschaftlichen Erfolgs in Deutschland. Berlin wollte - im Gegensatz zu nahezu allen anderen wichtigen Industriestaaten der Welt – nach dem Unglück von Fukushima so schnell es geht aus der Kernkraft aussteigen. Koste es, was es wolle. Nun kostet das erst einmal. Denn die einsame Energiewende der Deutschen ist bislang ein Kurzschluss. Es versacken zig Milliarden in Subventionen alternativer, aber eben unrentabler Energien. Die Netze müssen mit weiteren Milliarden ausgebaut werden, was die Politik aber auch kaum durch-setzen kann. Die Versorgung wird zusehends labil und die Strompreise steigen so, dass ganze Industriebranchen in die Abwanderung getrieben werden. Die energie-intensive Industrie in Deutschland ist existenziell bedroht. Soweit Wolfram Weimer im Handelsblatt vom 5.12.2014.