Grüne gegen Windparks – in Mexiko

Die Grünen machen mobil gegen die Windkraft. Jawohl. Allerdings nicht in Deutschland, wo sie diese Energie gegen den Widerstand von vielen Bürgerinitiativen massiv durchsetzen will, egal ob in Hessen, Niedersachen, Baden-Württemberg, ob in Thüringen oder Nordrhein-Westfalen. Nein, ihre Solidarität im Kampf gegen die Windräder gilt den indigenen Völkern Mexikos.

 

Unter dem Titel “Luft als Ware – ein Kampf gegen Windmühlen” führt die Heinrich-Böll-Stiftung der Grünen auf ihrer Website in einem sehr langen Beitrag aus, warum der geplante Bau von Windparks am Isthmus von Tehuantepec den Menschen dort nicht zuzumuten ist. Zwar gibt sie in dem Artikel vor allem das wider, was eine Bettina Cruz von der “Völkerversammlung des Isthmus” dazu sagt, aber es wird sprachlich sehr klar, dass sich die Böll-Stiftung die Bedenken der Kritiker in Mexiko zu eigen macht. Und die dürften den Kritikern, die hier gegen Windparks vor ihrer Nase auf die Straße gegen, Bürgerversammlungen dürchführen und Flugblätter verteilen wie die Grünen zu ihren besten Zeiten, bekannt vorkommen:

“Nur weil es Wind im Itshmus gibt, heißt das nicht, dass dieser Wind zu Strom werden muss”, sagt Cruz, ihre Völker würden die Natur nicht nur als bloße Ware ansehen. Und dann klagt sie, dass die Windparks die Umwelt zerstören, dass sie die Anwohner stören, dass sie in den betroffenen Dörfern keine Arbeitsplätze schaffen, und vor allem, dass ihre Bedenken keine Wirkung zeigten. Vom Abholzen von Wäldern ist die Rede, von der Gefährdung von Zugvögeln – hierzulande nur allzu bekannte Kritikpunkte.

Gewiss haben die Kritiker in Mexiko einen weitaus schwereren Stand bei ihrem Widerstand als in Deutschland, die Kritikpunkte ähneln sich jedoch frappierend. Verzweifelte gibt es auch bei uns unter den Kritikern. Wenn Enoch zu Guttenberg, prominentes Gründungsmitglied des BUND, den Verein verlässt, weil der grüne Windkraft-Wahn im Land unseren Kulturraum zerstört, so will dies schon einiges heißen. Und es ist mehr als kaltschnäutzig, wenn Boris Palmer, grüner Bürgermeister von Tübingen und einer der Wortführer seiner Partei im Südwesten, fordert, auch Naturschutzgebiete und die großen

Waldgebiete des Landes dürften nicht mehr verschont bleiben von Windparks. Dies vor dem Hintergrund, dass Ornithologen, Zoologen und Naturschützer seit langem Alarm schlagen, weil die Windparks Flora und Fauna gefährden.

Natürlich geht es bei der Kritik der indigenen Mexikanerin auch darum, dass die Menschen in ihren Dörfern an der Windkraft nichts verdienen. Aber auch da sind die Unterschiede geringer als manche annehmen. Auch in Deutschland sind die Dorfbewohner, denen die Monster reihenweise den Horizont verbauen, am Gewinn auch nicht beteiligt, reich werden die Landwirte, die ihr Gebiet zur Verfügung stellen, und die Betreiber.

Es ist sehr zu begrüßen, wenn die Grünen sich um die Vorbehalte der indigenen Völker Mexikos gegen die Windkraft kümmern und sich dabei solidarisch zeigen. Es würde ihren Politikern in Bund und Ländern aber auch gut anstehen, wenn sie den Widerstand hierzulande mit seinen guten Gründen ernster nähmen. Es klingt geradezu heldenhaft, wenn die rot-rot-grüne Regierung in Thüringen dafür sorgen will, dass bis 2040 das Land nur noch von erneuerbarem Strom beliefert wird. Auch wenn sie dafür das Land zwischen Jena und Eisenach vollverspargeln will, mehr als Symbolpolitik ist das nicht – eine Symbolpolitik mit Scheuklappen, die die Probleme, die damit geschaffen werden, ausblendet.

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